Überblick der Bildungsproteste Weltweit - März 2010

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Hier findest du einen Versuch einen Überblick der Proteste gegen die zunehmende Privatisierung von öffentlicher Bildung und für freie und emanzipatorische Bildung auf globaler Ebene im Monat März 2010 zu schaffen.
Nutzt die Kommentarfunktion, um die Liste auch zu ergänzen!
Ein Überblick der Bildungsproteste im gesamten Jahr 2009 kann auf englisch hier eingesehen werden. Jeder einzelne Protest ist Teil eines gemeinsamen Kampfes.

Coming up next: "Global Wave of Action for Education" [Okt./Nov. 2010]

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01. März

Regensburg, Deutschland: Das Verwaltungsgebäude an der Uni Regensburg wird für 12 Stunden von Studierenden besetzt. Nach Zusicherung der Erfüllung der Forderung die Anwesenheitspflicht abzuschaffen sowie die Regelstudienzeit zu verlängern verließen diese wieder das Gebäude.


Quelle: de.indymedia.org, unsereunis.de, tvaktuell.com

 

01. März

Westminster, Großbritannien: Mehr also 200 Angestellte und Studierende stürmen ein Treffen des Hochschulrates ["board of governors"] an der University of Westminster um gegen Stellenkürzungen und die damit einhergehende Schließung ganzer Fachbereiche zu protestieren. Anschließend wird der Raum für 3 Tage und 2 Nächte besetzt gehalten.

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Quelle: FightCutsAtUOW.blogspot.com

 

01. März

Sacramento, U.S.A.: Duzende Studierende der University of California belagerten das Büro des kalifornischen Senatspräsidenten (Darrel Steinberg; Demokrat). Sie forderten ihn dazu auf eine Erklärung zu unterzeichnen, in welcher er seine Unterstützung für eine Erhöhung des Haushaltes der öffentlichen Hochschulen sowie zusätzliche Mittel für multikulturelle Programme bekundet. Er unterschrieb nicht. Die Protestierende hatten aber die Ehre mit ihm reden zu dürfen.
Eine andere Gruppe, welche das Büro des republikanischen Abgeordneten (Jim Nielsen) mit dem selben Anliegen ins Visier nahmen, hatte weniger Glück. Sie wurden abgewiesen. Fünf Menschen weigerten sich das Büro zu verlassen und wurden verhaftet.

Steinberg meets with students from Will Jason on Vimeo.

Quelle: OaklandNorth.net

 

03. März

Brighton, Großbritannien: Mehr als 50 Studierende stürmen das Büro des stellvertretenden Rektors der University of Sussex und verbarrikadierten sich, um gegen geplante Stellenstreichungen zu protestieren, welche der Abschaffung ganzer Module einzelner Fachbereiche [Umwelt-, Geschichts-, Biowissenschaft und Englisch] gleichkommen.
Diese Aktion ist teil eines landesweiten Aktionstages, welcher in Reaktion zu der Ankündigung der Regierung den Haushalt für Hochschulen bis 2013 um knapp
£1.000.000.000,- zu kürzen, ausgerufen wurde.
Nach dem Auftreten von Spezialeinheiten der Polizei auf dem Campus und einer vorherigen Auseinandersetzung auf dem Gelände zwischen diesen und Protestierende bei welcher 2 Menschen verhaftet werde sowie der Androhung von Tasern und Pfefferspray Gebrauch zu machen, verlassen die Besetzer_innen das Gebäude wieder am späten Nachmittag.
Wenige Tage später erhalten Studierende, die sich an der Besetzung beteiligten, einen Brief vom "Vice Chancellor" der Uni, dass diese von der Institution suspendiert seien. Dies löste tagelange Proteste aus und die Entscheidung wurde 2 Wochen später wieder zurückgenommen.

Situation auf dem Campus während der Besetzung:

Quelle: DefendSussex.wordpress.com, ein Augenzeugenbericht,

 

03. März

London, Großbritannien: Mehr als 200 Angestellte und Studierende der University College London (UCL) - eine der reichsten Universitäten weltweit - demonstrieren gegen geplante Kürzungen. Besonders die Fachbereiche Biowissenschaften und Moderne Sprache sind von den Maßnahmen betroffen. Auch hier wurde im Anschluss das Büro des Rektors belagert. Dieser stellt sich den Demonstrierenden jedoch nicht, lässt stattdessen von Sicherheitspersonal sicherstellen, dass sie ihn erst gar nicht zu Gesicht bekommen.

Quelle: ConventionAgainstFeesAndCuts.wordpress.com

 

03. März

Norwich, Großbritannien: Mehrere hundert Menschen demonstrieren auch hier im Rahmen des landesweiten Aktionstages an der University of East Anglia. Obwohl noch keine konkreten Kürzungspläne bekanntgegeben wurden, soll diese Demo erstmal einen Vorgeschmack geben was zu erwarten ist, wenn es tatsächlich zu welchen kommen würde. Das Uni-Management zeigt sich im Anschluss bereit finanzielle Angelegenheiten gemeinsam mit der Studierendenvertretung in Zukunft öffentlich zu diskutieren.

Quelle: ConventionAgainstFeesAndCuts.wordpress.com

 

04. März

Johannesburg, Südafrika: Studierende errichten brennende Barrikaden und blockieren den Eingang zur Johannesburg University, um für freie Hochschulbildung zu protestieren.
Zu den Protesten ruft die South African Student Congress (SASCO), der größten Studierendenbewegung im Land, auf. Unter anderem soll auch an neun Hochschulen gestreikt werden.
SASCO meint, dass ungenügende finanzielle Unterstützung von Seiten des Staates zehntausenden mittellosen Menschen den Zugang zu Bildung verwehrt.
An mehreren Universitätsblockaden wurden Wasserwerfer eingesetzt.
Ähnliche Proteste gibt es wohl heute auch an anderen Bildungseinrichtungen in Südafrika.


Quelle: AlertNet.org, News.iAfrica.com

 

04. März

U.S.A.: In mehr als hundert Städten gehen - nach Angaben mehrerer Quellen - Millionen von Menschen im Rahmen des "National Day of Action to Defend Public Education" auf die Straße. So viel Aktivität gab es an den Hochschulen in den U.S.A. seit den 60ern nicht mehr.

Hier sind einige Berichte und Videos:

  • An der University of California - Campus in Davis - blockieren Studierende Straßenkreuzungen:

  • Die Versammlung, von der "UWM Education Rights Campaign" organisiert, wird von Polizeikräften am Büro des Rektors' [Carlos Santiago] angegriffen. [Video (II)]
  • Das "Student Service Building" an der State University of New York [SUNY] wird von Studierenden besetzt: reOccupied.wordpress.com
  • Länger als eine Stunde wird der "freeway" 880 in Oakland blockiert - fast 160 Menschen wurden festgenommen. Einzelheiten hier.

 

 

04. März

San Salvador, El Salvador: Ein Großteil des Campus der größten öffentlichen Hochschule des Landes,  der University of El Salvador, wird von Studierwilligen im Anschluss an eine Demonstration [organisiert von Eltern und Schüler_innen] besetzt. Der Protest richtet sich gegen die Weigerung der Hochschulleitung nicht die wie erst angekündigte Anzahl von neuen Einschreibungen zu gewehren.
Polizeikräfte weigern sich die Besetzung zu räumen.
Zwei Wochen später (18. März) wird die Besetzung aufgegeben, nachdem das Rektorat Verhandlungen zugestimmt hat. Bisher sind jedoch konkrete Eingeständnisse nicht bekannt.

Quelle: elSalvador.com, youtube.com, sambass789.wordpress.com

 

05. März

Regensburg, Deutschland: Dem Aufruf der "AG Schüler" zu einer Demonstration für ein freies und gerechteres Bildungssystem folgen mehr als 1.000 Menschen.

Quelle: Mittelbayerische.de

 

05. März

Glasgow, Schottland: Mehr als 8.000 Menschen demonstrieren gegen Haushaltskürzungen im Bildungsbereich.

Quelle: news.stv.tv [II]

 

10. März

Budapest, Ungarn: Es finden in Budapest symbolische Protestaktionen gegen die "Bologna-Feierlichkeiten" der 46 Kultusminister_innen statt.


Quelle: indymediaCall.blogspot.com

 

10. März

Wien, Österreich: Im Rahmen der "Uni Brennt" Bewegung wird international nach Wien mobilisiert, um an einer Demonstration (11. März) mit anschließenden Blockadeaktionen gegen die "Bologna-Feierlichkeiten" der Kultusminister_innen der 46 Ländern, die an dem "Bologna-Prozess" offiziell beteiligt sind, zu protestieren. An dieser nehmen etwa 10.000 Menschen teil.
In der vorherigen Nacht (10. März) wird ein Hörsaal besetzt.
In den darauffolgenden Tagen findet ein Gegengipfel (12-14. März) statt. Ein ausführlicherer persönlicher Bericht kann hier auf englisch nachgelesen
.

 

11. März

Des Moines, U.S.A.: Mehr als 500 Schüler_innen aus mehreren Schulen fluten, bewaffnet mit Musikinstrumenten, das Regierungsgebäude des Staates Iowa. Der Protest wurde durch einen von der Schulbehörde Des Moines' in Betracht gezogenen Vorschlag, Mittel für den Kunst-, Musik- und Sportunterricht um 60% zu kürzen, ausgelöst.

Quelle: wqad.com

 

11. März

Brighton, Großbritannien: Mehr als 300 Angestellte und Studierende besetzen erneut ein Gebäude an der University of Sussex um gegen Stellenstreichungen zu protestieren, diesmal das Art A2. Die Besetzung zieht sich länger als 1 Woche hin.

Quelle: defendSussex.wordpress.com, news.bbc.co.uk


12. März

Frankreich: Tausende Studierende, Schüler_innen und Lehrkräfte demonstrierten in ganz Frankreich [u.a. in Paris, Toulouse, Marseille, Lyon, Nice und Straßbourg] gegen die neuesten Reformen im Bildungsbereich, welche unter anderem Kürzungen vorsehen.

Quelle: thaIndian.com

 

15. März

Atlanta, U.S.A.: Hunderte Studierende demonstrieren gegen Haushaltskürzungen an Hochschulen und die Erhöhung von Studiengebühren.
Am selben Tag beteiligen sich Lehrende an einer Protestaktion in Kalifornien - 23.000 von ihnen erhielten eine Kündigungsbescheinigung ("pink slips").

Quelle: youtube.com [II]

 

17. März

Aberdeen, Schottland: Rund 120 Studierende besetzen das "Management Office" im Rahmen der "Aberdeen Defend Education Campaign", um gegen Kürzungen zu protestieren und einen Freiraum für eine kritische Auseinandersetzung mit den herrschenden Verhältnissen zu schaffen.

Quelle: adec.6te.net

 

17. März

Barcelona, Katalonien/Spanien: Ca. 30.000 Lehrende, Eltern, Schüler_innen und Studierende demonstrieren durch die Innenstadt Barcelonas gegen ein neues Reformpaket für das öffentliche Bildungssystem. Diese Reformen sollen unter anderen den (Hoch-) Schulen mehr "Autonomie" geben und Investitionen privatwirtschaftlicher Akteure in öffentliche Bildungseinrichtungen erleichtern.


Quelle: interUniBCN.wordpress.com

 

18. März

Den Haag, Niederlande: Ca. 50 Studierende nutzen ihre Fahrräder um das Ministerium für Bildung, Kultur und Wissenschaft zu blockieren. Mit dieser Aktion protestieren sie ebenfalls gegen angekündigte öffentliche Haushaltskürzungen für Hochschulen.

Quelle: theHagueOnline.com

 

19. März

Philippinen: Tausende Studierende in mehrenden Städten gehen spontan auf die Straße, um gegen die Initiative Studiengebühren an der Polytechnic University of the Philippines (PUP) um bis zu 2.000% zu erhöhen. Insbesondere in Manila waren die Proteste massiv. Ca. 5.000 Studierende verlassen spontan die Hörsäle und formieren sich zu einer Spontandemo durch die Stadt. Anschließend werden alte Möbelstücke in den Innenhof gestapelt und angezündet.
Der Protest geht auch dort weiter!

Quelle: bulatlat.com, ukAsianCorrespondent.com

 

19. März

Brüssel, Belgien: An der "Freien Universität Brüssel" (ULB) ergreifen einige duzend Aktive die Initiative und laufen durch Hörsäle mit Megaphon und Banner, um auf das 10jährige Jubiläum des "Bologna-Prozesses" aufmerksam zu machen und zu bekunden warum dieser abzulehnen ist.

 

Quelle: facebook

 

19. März

Los Angeles, U.S.A.: Duzende Menschen demonstrieren gegen die Schließung der Menlo Schule für Erwachsenenbildung [Menlo Adult School].

 

20. März

London, Großbritannien: Mehr als 1.000 Lehrende und Studierende demonstrieren gegen angekündigte Kürzungen an Hochschulen im ganzen Land. Zu der Demonstration rief unter anderem die "University and College Union" (UCU) auf.

Quelle: demotix.com (Bilder), weitere Bilder hier, educationActivistNetwork.wordpress.com

 

22. März

Sacramento, U.S.A.: Tausende Menschen - hauptsächlich Studierende - demonstrieren gegen die Kürzung öffentlicher Gelder für Bildung sowie die Erhöhung von Studiengebühren. Die Demonstration endet vor dem Regierungsgebäude Kaliforniens.

Quelle: MercuryNews.com, youtube.com

 

22. März

Minisink Valley, U.S.A.: Hunderte Schüler_innen demonstrieren gegen geplante Stellenstreichungen an ihrer "High-School".

 

22. März

Mumbai, Indien: Eltern, Schüler_innen und Studierende protestieren gegen die weitere Erhebung von Schulgebühren an einigen öffentlichen Schulen.

 

24. März

Colchester, Großbritannien: Es wird der erste "Take Back Education - Teach-in" an der University of Essex durchgeführt. An diesem beteiligen sich gemeinsam  Lehrende und Studierende. Die Zeit wird genutzt, um sich mit der Frage "Wie sollte das Bildungssystem sein?" auseinanderzusetzen.

Quelle: educationActivistNetwork.wordpress.com

 

24. März

Philippinen: Die Proteste auf den Philippinen gehen weiter. Auch an der University of the Philippines (UP) sollen Studiengebühren erhöht werden. Daraufhin wird ein Mitglied des Rektorats mit einem Farbbeutel angegriffen und versucht die "Commission on Higher Education" (CHED) zu stürmen. In Quezon City wird das Eingangsgitter zerlegt und das Gebäude mit Farbbomben beworfen.
In Reaktion auf die Proteste am 19. März werden 5 Aktivist_innen festgenommen und die Sicherheitsmaßnahmen an dem Ministerium für Bildung verschärft.
Noch am selben Tag versucht der Vorsitzende des CHED die Situation zu entschärfen, indem er verspricht sich gegen die Studiengebührenerhöhung einzusetzen. Somit sind das Vorhaben der Rektorate der PUP und UP vorerst gescheitert.
Weiteres gutes Video, welches einige bemerkenswerte Eindrücke zu den Protesten vermittelt kann hier angesehen werden.


For the latest Philippine news stories and videos, visit GMANews.TV


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Quelle.: gmaNews.tv

 

25. März

Lansing, U.S.A.: Studierende aus dem gesamten Bundesstaat Michigan versammelten sich in Lansing, um für freie Bildung und gegen Kürzungspläne zu demonstrieren. Einer der meist gerufenen Slogans war: „No cuts, no fees, education should be free!“.

Quelle: media.theMichiganTimes.com


25. März

Den Haag, Niederlande: Mehr als 400 Studierende demonstrieren durch die Straßen gegen Kürzungen im Hochschulbereich.

Quelle: studentenDemonstratie.nl

 

26. März

Manchester, UK: Hunderte Arbeiter_innen und Studierende demonstrieren vor dem Gebäude, in dem ein Treffen des Universitätsvorstandes ("board of governors") der Manchester Metropolitan University stattfindet, gegen 127 Stellenstreichungen.

Quelle: socialistWorker.co.uk

 

30. März:

Zagreb, Kroatien: Mehr als 1,000 Menschen gehen auf eine Demo für freie Bildung unter dem Motto "Studiengebühren verhindern - Unis für Alle!".


Quelle: jutarnji.hr, facebook.com

 

30. März

Bristol, Großbritannien: "No ifs, no buts, no education cuts!" ist die eindeutige Nachricht zahlreicher Lehrerenden und Studierenden, welche vor dem Haus des Gemeinderats gegen angekündigte Kürzungen in Höhe von £2,4m für Erwachsenenbildung alleine in Bristol protestieren.

Quelle: thisIsBristol.co.uk